Durchblick im Dickicht der Informationen

Nachdem die Betriebswirtschaftslehre in den vergangenen Jahrzehnten den verschiedensten Trends folgte, ist in neuerer Zeit die Informationsorientierung zu beobachten, d.h. die "Intelligenz" und das Know-How einer Unternehmung, sowie die Fähigkeit, Informationen aus Daten zu extrahieren, bestimmt zunehmend deren Leistungsfähigkeit.Für die Informationsorientierung eines Unternehmens ist es von strategischer Bedeutung, nicht nur die Daten, sondern auch das Know-How seiner Mitarbeiter informationstechnisch zu verwalten, um es vor Verlust zu sichern und auch bei Abwesenheit des Know-How Trägers verfügbar zu machen. Während bis in die achtziger Jahre hinein sogar unterschiedliche Medien für die Datenhaltung Anwendung fanden (z.B. Akten für Konstruktionspläne, Karteien für Kundenlisten und Mikrofiches für Bestellnummernverzeichnisse), schien sich mit der Verbreitung von Rechenanlagen eine Lösung für das Datenhaltungsproblem abzuzeichnen.

Tatsächlich kam man dem Ziel einer "intelligenten" Datenverwaltung nicht viel näher. Bedingt durch den technologischen Fortschritt und sich ständig verändernde Umgebungen, werden Datenbanken neuen Anforderungen nicht mehr gerecht und lassen sich dann nur sehr schwer ändern. Verschlimmert wird die Situation sogar noch dadurch, daß moderne Abfragesprachen vollständige Programmiersprachen darstellen, deren Prozeduren sich auch untereinander verknüpfen lassen. Dies lä"st die in der Abfragesprache formulierten Programme selbst zum Objekt der Änderung werden.

Das Know-How über die Verwendung der Daten spiegelt sich in den Anfragen und Anwendungsprogrammen wider. Um die Wartung einer Datenbank zu erleichtern, betrachten wir die Daten und Anfragen als eine Einheit. Das ermöglicht, die gegenseitigen Abhängigkeiten bei jeder Änderung zu berücksichtigen. Die Zusammenführung von Datenbanken und deren Abfragesprachen erhält bei der Integration der Informationen aus allen Unternehmensbereichen zu einem zentralen Informationssystem eine enorme Bedeutung.

Konsistenz-Management bei Änderungen in Informationssystemen

Zur Lösung des Problems der Änderung und Administration von großen Informationsmengen sowie deren Verarbeitungsalgorithmen, haben wir das Wissensevolution-System KES entwickelt. KES enthält unter einer erweiterbaren Architektur eine Vielzahl von Algorithmen, die allesamt den Benutzer dabei assistieren, bei einer Änderung die "Güte" des Informationssystems zu erhalten, sie sogar zu verbessern und zu jedem Zeitpunkt einen Überblick über die Konsequenzen der Änderung zu erhalten. Dabei kann entweder eine intendierte Änderung vorgegeben werden, die von KES in tatsächliche, konsistente Änderungen aufgelöst wird, oder aber eine Änderung gegenüber gewissen Kriterien (Konsistenz, Redundanz etc.) geprüft werden. Selbst das Entdecken struktureller Zusammenhänge innerhalb eines Informationssystems wird unterstützt und kann dem Benutzer wertvolle Informationen darüber geben, wo Daten korrelieren und ggf. durch eine Regel ersetzt werden k"onnen.

Bei all den Fähigkeiten von KES haben wir, streng nach der Philosophie, die Wartung von Datenbanken {\bf einfacher} zu machen, darauf geachtet, da"s auch die Bedienung sehr leicht ist. Zu diesem Zweck wurde eine graphische Oberfläche entworfen, die sämtliche Algorithmen integriert und deren Benutzung intuitiv und schnell erlernbar ist.

Mit der Hilfe von KES ist es ohne weiteres m"oglich, ein Informationssystem "`wachsen"' zu lassen, ohne sich bereits in der Designphase auf die endgültige Struktur festlegen zu müssen. Ein Unternehmen kann ein Informationssystem schrittweise einführen, die Bedürfnisse den Gegebenheiten anpassen und mehrere Informationssysteme zusammenführen. Einmal eingegebene Datenmengen müssen aufgrund eines Neudesigns der Datenbankstruktur nicht mehr neu erfa"st werden. Unn"otige Kosten für Redesign werden vermieden.

Sämtlichen Mitarbeitern im Unternehmen ist es m"oglich, sinnvolle "Anderungen am Informationssystem vorzunehmen, ohne einen "Uberblick über die Gesamtstruktur haben zu müssen. Wissen kann dort konserviert werden, wo es vorhanden ist, der Engpa"s über den Datenbankadministrator entfällt. Nachdem "Anderungen im Informationssystem auf ihre KOnsistenz überprüft wurden, werden sie unmittelbar wirksam. So k"onnen falsche Managemententscheidungen aufgrund fehlerhafter oder inkonsistenter Information vermieden werden.

Knut Hinkelmann
Forschungsbereich Intelligente Ingenieursysteme DFKI GmbH
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